Vom Zugehörigkeitsgefühl

Diese Oktobertage ist es genau fünfzehn Jahre her, seit ich als Austauschstudent über Erasmus nach Deutschland kam. Ich fühle mich von Anfang an so wohl in diesem Land und Ihr, liebe Freunde unter Euch werten Leser/innen, habt einen Riesenanteil daran. Heidelberg ist mein geliebtes zu Hause geworden und ich wünsche mir sehr, in dieser Stadt mit meiner Familie weiter glücklich zu leben. Heute habe ich ein Geschenk zu diesem kleinen Jubiläum bekommen, das ich mir im Leben nicht hätte erträumen können. So, und wenn man einen guten Grund zum feiern hat, kann es unter Umständen auch emotional zukommen. Also bitte ich schon im Vorab um Nachsicht.

Es ist Dienstag Vormittag und ich komme grad vom Schwimmen auf der Rennstrecke. Ein kristallklares Wasser mit – wieder – hohen Wellen und in der Rennwoche – logisch – auch sehr vielen schnellen Triathleten. Es war mir zu stressig im ewig langen Pulk wie eine Rosine im Apfelstrudel zu schwimmen (und ständig überholt zu werden), deswegen bin ich vom durch Bojen abgesteckten Idealkurs abgewichen und letzlich einpaar Hundert Meter in Richtung Ozean meine relative Ruhe beim Kraulen gefunden. Und etwa anderthalb Kilometer vom Ufer ist das passiert, worauf ich nicht mehr gehofft habe: Delfine kamen. Erstmal zwei neugierige, sie kamen ganz nah zu mir etwa auf eine Körperlänge und sind mitgeschwommen. Ganz langsam. Mal neben mir, mal tiefer und bei Lust haben sie einen Bogen über dem Wasserspiegel geschlagen. Wahrscheinlich haben sie sich über mein Tempo und meine bemühte Wasserlage (ggf. über meine rote Badehose) amüsiert. Es war in dem Moment kein Mensch um mich herum, nur diese unglaublich elegante Tiere. Gleich wurden sie immer mehr, bei dreißig habe ich aufgehört zu zählen, war auch egal, unterschiedliche Größen bis zu ca. zweieinhalb Meter lang. Sie sind mitgeschwommen, haben gespielt, mit kleinen nah an ihrem Körper dran nach links und gleich nach rechts und hatten echt keine Eile. Das Gefühl kann man schlicht nicht beschreiben. Ich war entschlossen gewesen, meine drei Kilometer im Wettkampftempo am Stück durchzuziehen, es ging aber schlicht nicht mehr, ich hielt an und versuchte gleich wieder mit der Gruppe weiter zu schwimmen und nachzumachen, was sie grad tun und habe mich um noch mehr ihrer Aufmerksamkeit bemüht.
Ich verrate euch was: Wenn sie kommen, kannst du sie früher hören als sehen. Sie pfeifen ganz leise, aber das Geräusch drängt die Wassermasse messerschaft klar durch. Es sind viele sehr hohe unaufdringliche Töne von der Art wie man von einer Bohrmaschine beim Zahnarzt hört, aber unvergleichbar angenehmer, schöner, melodischer. Du lauschst nur und möchtest antworten, mitreden, aber es ist dir klar, dass jeder Versuch die Harmonie stören, als lächerlich ankommen lassen oder gar ins Leere fallen würde. Du verstehst natürlich kein Ton, aber du möchtest das gerne und hast keine Zeiweifel daran, dass sie sich auch über dich unterhalten. Es fühlte sich alles so natürlich an, dass du – egal wo sie hinschwimmen, in die Weite oder Tiefe des unendlichen Pazifiks – zumindest für eine Weile dahin wo sie hinwollen mitschwimmen möchtest. Obwohl sie sich nicht zu arg kümmern um dich, kreisen sie um dich herum und geben dir, in ihrer unendlichen Harmonie und – ja – Majestät, das Gefühl, das wäre so in Ordnung dass du bei ihnen mitschwimmst oder sogar du wärest einer von ihnen. Du merkst, du bist so anders als sie aber trotzdem fühlst du dich in ihrem zu Hause willkommen und angenommen. Versteht man das was ich meine wenn ich es so schreibe?
Das ganze konnte ewige fünf oder sieben Minuten dauern. Dann auf einmal waren sie alle werschwunden. Noch habe ich eine Weile gesucht und gelauscht, sah und hörte aber nichts mehr. Der Ozean war leer, nur die unendlichen blauen Wassermassen armten mich um und ab und zu schwammen einpaar von den allgegenwärtigen tropischen gelben, schwarzen und vielfarbigen wohlverformten Fischen mit Schleiern vorbei. Was übrig blieb war meine überflutende Freude pur, Gänzehaut und ein ganz keines bisschen Traurigkeit darüber, dass es schon vorbei ist. Alles klar, ich bin kein Fisch. Ich weiß schon wer ich bin, was ich ungefähr so kann und wo ich hingehöre. Ab und zu weiß ich auch, was ich will. Und seid Euch bitte nicht so sicher, es hat unbedingt mit dem Ironman was zu tun. Ahoha.

p.s. keine Zeit für Sprach- und Gefühlskorrektur, wie immer. Hab auch kein passendes Selfie dazu. Sorry, muss aufs Rad.

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