One Dime

Okay, soweit fast alles geklärt. Das Fahrrad ist komplett und startklar. Entweder kriege ich noch einen nagelneuen Rennanzug wie angekündigt oder ich darf einen von meinem Mitbewohner Jan leihen, der auch gut passen könnte. Ich kümmere mich drum. Hier ist noch Donnerstag spät Abend, morgen muss ich in allen drei Disziplinen ein letztes leichtes Training absolvieren, die Wechelzonen richen, die Verpflegung vorbereien, meine Radtrinkflaschen füllen, das Fahrrad bei der technischen Kontrolle einchecken, am richtigen Ständer abgaufhängen und so weiter. Daher, wenn ihr erlaubt, schicke ich euch diesen letzten Beitrag vor dem Rennen, schneide mich vom Internet ab und kündige eine Funkstille bis Sonntag Nachmittag an. (Ich kann nicht ausschließen, noch ich noch etwas poste, geplant ist es aber nicht.) Ich bin glücklich dass es euch gibt, liebe Freunde und Leserinnen dieses Bloggs, wünsche euch ein schönes Wochenende und grüße euch ALLE!

Vorige Woche habe ich auf der Radstrecke kurz vor der Kreuzung Queen Ka‘ und Alii‘ Drive eine Münze gesichtet. Sie glänzte in der Sonne. Erstmal dachte ich, sie wäre eine gefährliche Scherbe, eine Schraube oder ein Nagel, von deren es auf der Highway jede Menge gibt, wesswegen Vorsicht angebracht ist. Viele kriegen hier einen Platten, die Flicker und Wchsler sieht man auf der Strecke wirklich auf jedem dritten Kilometer. Ich versuchte auszuweichen, hiet an und sammelte sie auf. Sie war von der prallenden Mittagssonne so heiß, dass es eine kurze Weile dauerte, bis ich sie auf die Handfläche legen und genauer anschauen konnte. Ich werde sie auf der Radstrecke am Samstag mit dabei haben. Sie wird mein Glügksbringer sein. Als solche ist sie für mich Gold wert. Nominal fünf Cent. Fünf Wünsche frei? …oh, eine schwierige Aufgabe, ich habe nämlich so viele! Es muss schon einiges zusammen kommen, damit es hier mit dem finishen klapp, glaubt mir. Ok, fünf. Ich habe eine Idee, ich liste hier nur die auf „G“ auf:

  1. Gesundheit
  2. Glück
  3. Geduld
  4. Graft
  5. G – ohne „r“ dazwischen bitte – ausdauer.

= Geiles Rennen. Mein unbescheidendes aber realistisches Ziel ist, als „Dayligt Finisher“ im Ziel anzukommen∗. Ist es wirklich so einfach? Denk ich nicht. Das Gegenteil von jedem der oben genannten Worte werden übermorgen die salzigen Wellen in meine Augen spülen, die glühende Highway meinen Reifen zuflüstern und die Sonnenstrahlen in meine weiße Haut gravieren. Ich mit mir und gleichzeitig gegen mich, verstehst du? Elf Stunden oder wie viel auch immer lang. Wird das weh tun? Weiß ich nicht. Eins weiß ich aber schon: Egal wie viele Ironmans du schon absolviert hast, egal wie viele Trainingskilometer du auf dem Buckel hast, wie jung und fit du dich fühlst, hier ist alles anders. Anders als jemals zuvor. Ich habe für Euch Bilder von der idyllischen Seite Hawaii´s gepostet und mich dabei köstlich amüsiert und …ja, abgelenkt. Die Insel hat schon einpaar Erlauchten einzigartige Triathleten große Siege feiern und dadurch Geschichte dieser jungen Sportart schreiben lassen. Sie hat aber auch unvergleichbar mehr tapfere Helden ihre heftige, bittere, nein, grausame Kehrseite gezeit. Und der Schweinehund meldet sich immer öfter. Was machst du hier eigentlich? Willst du das wirklich? Hast du das n-ö-t-i-g? Möchtest du stattdessen jetzt nicht lieber einen schönen Familienurlaub auf Korsika machen? Ja, ich will das. Keiner zwingt mich. Es ist mir eine Ehre, hier starten zu dürfen und bin stolz darauf, sich dafür durch meine sportliche Leistung qualifiziert zu haben. Ich kann zwar nicht schreiben, dass ich das Rennen hier gewinnen kann und will. Ich will aber auch nicht schreiben, ich möchte bummeln oder nur das Rennen genießen. So einfach ist es nicht. Ich habe Mortzrespekt vor der Herausforderung, werde mich ihr aber stellen und es ist jetzt soweit. Ich spüre eine unglabliche Unterstützung von allen Mitfiebernden, stütze mich darauf, was ich unter der Leitung von meinen Coach Frank Vytrisal monate und jahrelang trainiert habe, mache am Samstag früh am Sart die Augen kurz zu und zieh´s durch. So gut wie ich kann, für mich, für meinen Vorsatz der im Namen dieser Homepage steht und für euch, …wenn ihr wollt 🙂 Ahloha!

img_4345.jpg

∗ die Sonne geht hier am Nachmittag senkrecht unter, sodass es gegen sechs Uhr innerhalb von Minuten dunkel wird. Kurz davor werden auf der Strecke taschenlampen ausgegeben. Als Mensch mit Familie und Vollzeitjob bin ich aufs trainieren im Dunkeln bestens vorbereitet :)))

2 Kommentare zu „One Dime

  1. Lieber Dalibor, du klingst startklar und wir sind es auch: der Beamer steht, die Pizza Hawaii ist bestellt, die Cocktails probegemixt und die Bananenröckchen zusammengeknotet. Wir hier zu Hause werden mit unseren Köpfen und Herzen bei Dir sein, all die Wasser-, Rad und Laufkilometer lang. Wir sind zum Platzen stolz auf Dich und wünschen Dir eine ruhige reibungslose restliche Vorbereitung, etwas Schlaf in der Nacht und jede Menge Kraft und Gottes Segen für den Wettkampf!
    Es grüßen Dich herzlich Henrike und die ganze Hawaii-support-Party
    PS: und zur Feier des Tages hab ich Mittwoch Morgen trotz widriger Umstände sogar ein kleines bisschen Zeit 😉

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