Prinzessin

Ich habe Euch versprochen, mein Zeitfahrrad hier kurz vorzustellen. Es ist unter Druck. Neun Bar, vorne und hinten. Ich hab’s mal „Prinzessin“ genannt weil ich wusste, das der Name meinen Kindern gefallen wird. Sie hat mich über die Ironman-Langdistanzen auf Mallorca, zweimal bei der EM in Frankfurt und jetzt eben auch auf Hawaii auf ihren Schultern getragen.

An ihrem „Oberlenker“ sind die Bremshebel angebracht und am „Aerolenker“ bzw. an dessen Enden (Extensions) bedient man die Gangschaltung: zwei Gänge vorne und elf hinten. In einer idealen, aerodynamischen Position fährt man auf dem Aerolenker, indem sich Ellenbogen auf den gepolsterten Haltern (Pads) stützen. Die Hände greifen vorne an den Hebeln von der Gangschaltung. Der Oberkörper wird dadurch entlastet und „liegt“ parallel zum Oberrohr bzw. zur Fahrbahn.

Im Ironman muss man viel Trinken, deswegen ist eine flache Trinkflasche am Aerolenker zwischen den Extentions angebracht, sodass man über einen Schlauch daraus trinken kann, ohne die Aeroposition verlassen zu müssen. Diese Flasche kann man an den Verpflegungsstationen mit Wasser oder einem isotonischen Getränk (Salz, Mineralien, Energie) nachfüllen. Eine andere Trinkflasche ist am vorderen Rahmenrohr angebracht. Die ist mit einer sehr dicken, honigartigen Mischung von Energiegels gefüllt und stellt meine Hauptenergiequelle während der Radstrecke dar. Eine dritte Trinkflasche befindet sich hinter dem Sattel. Gleich daneben ist noch ein vierter Behälter montiert, in dem allerdings keine Flüssigkeit, sondern Werkzeug, Flickschaum, CO2-Kartuschen und ein Ersatzschlauch zu finden sind, falls ich unterwegs einen Platten kriege oder einen anderen Defekt beheben muss. In der Kleinen schwarzen Fahrradtasche am oberen Rahmenrohr habe ich noch weiteres Werkzeug und eine zusätzliche Energieriegel für Notfälle, die meistens unberührt bleibt und bei Gelegenheit noch eine Münze als Glücksbringer 🙂

Die Prinzessin hat ovale Kettenblätter (Q-Rings), die ermöglichen, in der Abdruckphase des Pedalierens mehr Kraft auf das Hinterrad über die Kette zu übertragen und gleichzeitig werden die Beine beim Ziehen etwas entlastet. Die Hochprofilfelgen bringen Vorteile beim Seitenwind. Wenn dieser aber zu stark oder böhenartig wird, bedarf es viel Übung, die Prinzessin auf der Spur zu halten.

Gemessen an leichten Rennrädern ist sie ziemlich robust und schwer. Ihre aerodynamischen Kurven bieten dem Gegenwind aber recht wenig Anhaltsfläche, sodass sie im Gelände ihren Gewichtsnachteil im Kampf gegen die Zeit gutmachen kann. Ein in den Tretlagern eingebautes Messsystem schickt mit stets die Angaben über meine Leistung (in Watt) und die Trittfrequenz auf meine Sportuhr, die darüber hinaus meine Geschwindigkeit, Entfernung (GPS) und Herzfrequenz aufzeigen kann. Diese Daten ermöglichen mir, meine Kräfte im Rennen gut aufzuteilen und geben mir Rückmeldung darüber, wie ich momentan leistungsmäßig drauf bin.

Der Rahmen aus Karbonphasern gibt dem Fahrrad die entscheidenden Eigenschaften, nämlich Schönheit durch wohlverformte Kurven, Härte im Nehmen durch Steifigkeit aber auch Zerbrechlichkeit … wie man Prinzessinnen halt ab und zu mal so kennt.

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