Verkehr(t)

Jeder Amerikaner auf Hawaii besitzt einen Offroadwagen und einen Harley Davidson. Mit ersterem fährt er einkaufen und mit zweiterem zur Arbeit. Wenn die lauten hungrigen Monster, die übrigens mit den nüchtern aussehenden europäischen SUV nicht zu verwechseln sind, vorbeifahren, denkt sich ein noch nicht akklimatisierter Inselbesucher, dass Hualālai nach zwei hundert Jahren schon wieder ausgebrochen ist. Je größer und lauter, um so besser. Und noch was: Jedes dieser Fahrzeuge hupt, wenn es ab- oder aufgeschlossen wird. Tags und nachts. Am besten dreimal. Der Motor und die Klimaanlage bleiben immer an, der Sprit kostet nichts, ist ja klar.

Es gibt Straßenkreuzungen, an denen kein Rechts vor Links gilt, sondern ein Stoppschild von allen Richtungen die freie Durchfahrt verhindert. Dies hat zu Folge, dass alle anhalten müssen und weiterfahren dürfen in der Reihenfolge, in der sie angehalten haben.

Ab und zu mal sieht man auf der Highway einen freundlichen Hinweis darauf, dass angeschnallt sein das „Federal Low“ vorsieht und einige tun das sogar. Im Gegensatz dazu fühlen sich alle Motorradfahrer/innen irgendwie verpflichtet, KEINEN Helm zu tragen. Safety bzw. Security first!

Like the Bike?

Wenn wir schon beim Thema Fahrrad sind: In Kailua-Kona haben sich Anfang Oktober nicht nur die verrücktesten Ausdauersportler der Welt getroffen. Dieser Ort lockt zum selben Zeitpunkt alle Hersteller von NOCH leichteren (verstehe exzentrischeren), aerodynamischeren (unbequemeren), schnelleren (teureren) Hobeln an. Bei Durchsicht der Radwechselzone am Wettkampfvorabend und während des Rennens selbst wird klar, dass hier die ausgefeiltesten Modelle auf entsprechendes Klientel stoßen. Interesse? Nimm’s mit! Den „special price“ von z.T. $15.000 kannst du am Stand mit deiner Kreditkarte zahlen. Entsprechend viel Spaß macht es, den stolzen Besitzer eines solchen Schmuckstücks im Wettkampf zu überholen und seinen Gesichtsausdruck dabei zu beobachten.

Es gibt hier auch Firmen, die sich auf Bikefitting spezialisieren, und sich (über $ 1.000) vor Kundschaft nicht wehren können. Eine Ketten- und Kugellagerspezialbehandlung spart im Wettkampf 8-10Watt, was auf hundertachtzig Kilometern einige Minuten ausmacht. Standard selbst unter Amateuren ist mittlerweile eine vollelektrische Gangschaltung, oft kabellos, per Funk gesteuert. Auch superleichte Scheibenbremsen, ovale Kettenblätter und Trinksysteme, die im Fahrradrahmen integriert sind, sorgen seit einpaar Jahren nicht mehr für Aufsehen…

… dieses Modell von Ceepo Katana hat vorne keine Gabel. Wozu auch?

Dieses auffällige Diamond muss man in der Wechselzone nicht lange suchen. Ich muss oft auch nicht lange suchen, weil wenn ich nach der ersten Disziplin aus dem Wasser komme, ist die Auswahl an Fahrrädern meistens nicht mehr so groß. Sollte ich mein Fahrrad nicht gefunden haben, hatte ich einen „Plan B“:

… und „C“:

Prinzessin

Ich habe Euch versprochen, mein Zeitfahrrad hier kurz vorzustellen. Es ist unter Druck. Neun Bar, vorne und hinten. Ich hab’s mal „Prinzessin“ genannt weil ich wusste, das der Name meinen Kindern gefallen wird. Sie hat mich über die Ironman-Langdistanzen auf Mallorca, zweimal bei der EM in Frankfurt und jetzt eben auch auf Hawaii auf ihren Schultern getragen.

An ihrem „Oberlenker“ sind die Bremshebel angebracht und am „Aerolenker“ bzw. an dessen Enden (Extensions) bedient man die Gangschaltung: zwei Gänge vorne und elf hinten. In einer idealen, aerodynamischen Position fährt man auf dem Aerolenker, indem sich Ellenbogen auf den gepolsterten Haltern (Pads) stützen. Die Hände greifen vorne an den Hebeln von der Gangschaltung. Der Oberkörper wird dadurch entlastet und „liegt“ parallel zum Oberrohr bzw. zur Fahrbahn.

Im Ironman muss man viel Trinken, deswegen ist eine flache Trinkflasche am Aerolenker zwischen den Extentions angebracht, sodass man über einen Schlauch daraus trinken kann, ohne die Aeroposition verlassen zu müssen. Diese Flasche kann man an den Verpflegungsstationen mit Wasser oder einem isotonischen Getränk (Salz, Mineralien, Energie) nachfüllen. Eine andere Trinkflasche ist am vorderen Rahmenrohr angebracht. Die ist mit einer sehr dicken, honigartigen Mischung von Energiegels gefüllt und stellt meine Hauptenergiequelle während der Radstrecke dar. Eine dritte Trinkflasche befindet sich hinter dem Sattel. Gleich daneben ist noch ein vierter Behälter montiert, in dem allerdings keine Flüssigkeit, sondern Werkzeug, Flickschaum, CO2-Kartuschen und ein Ersatzschlauch zu finden sind, falls ich unterwegs einen Platten kriege oder einen anderen Defekt beheben muss. In der Kleinen schwarzen Fahrradtasche am oberen Rahmenrohr habe ich noch weiteres Werkzeug und eine zusätzliche Energieriegel für Notfälle, die meistens unberührt bleibt und bei Gelegenheit noch eine Münze als Glücksbringer 🙂

Die Prinzessin hat ovale Kettenblätter (Q-Rings), die ermöglichen, in der Abdruckphase des Pedalierens mehr Kraft auf das Hinterrad über die Kette zu übertragen und gleichzeitig werden die Beine beim Ziehen etwas entlastet. Die Hochprofilfelgen bringen Vorteile beim Seitenwind. Wenn dieser aber zu stark oder böhenartig wird, bedarf es viel Übung, die Prinzessin auf der Spur zu halten.

Gemessen an leichten Rennrädern ist sie ziemlich robust und schwer. Ihre aerodynamischen Kurven bieten dem Gegenwind aber recht wenig Anhaltsfläche, sodass sie im Gelände ihren Gewichtsnachteil im Kampf gegen die Zeit gutmachen kann. Ein in den Tretlagern eingebautes Messsystem schickt mit stets die Angaben über meine Leistung (in Watt) und die Trittfrequenz auf meine Sportuhr, die darüber hinaus meine Geschwindigkeit, Entfernung (GPS) und Herzfrequenz aufzeigen kann. Diese Daten ermöglichen mir, meine Kräfte im Rennen gut aufzuteilen und geben mir Rückmeldung darüber, wie ich momentan leistungsmäßig drauf bin.

Der Rahmen aus Karbonphasern gibt dem Fahrrad die entscheidenden Eigenschaften, nämlich Schönheit durch wohlverformte Kurven, Härte im Nehmen durch Steifigkeit aber auch Zerbrechlichkeit … wie man Prinzessinnen halt ab und zu mal so kennt.

Am Mittwoch gelandet

Die Rückreise um die halbe Welt bzw. zwölf Tausend Kilometer, zwölf Zeitzonen, quer über zwei Ozeane, zwei Kontinente, über die USA, Kanada, Grönland, Island und Großbritannien war viel zu aufregend, um schlafen zu können:

Golden Gate Bridge in San Francisco

Great Basin (Nevada)

Waldbrände in Payette National Forrest (Idaho)

Grüße aus SFO

… schon wieder ein (Un-)Bekannter:

Der sechsfache Ironman-Sieger und erste deutsche Gewinner der Weltmeisterschaft auf Hawaii (1997) Namens ……. Bereits vorige Woche bin ich ihm beim Radtraining auf der Queen Ka‘ Highway begegnet und kann bezeugen, dass er seinem damaligen Spitznamen „Hell on Wheels“ immer noch gerecht werden kann.

Auf dem Konaer „Dorfflughafen“ hat er mir heute von den wandelnden, harten Rennbedingungen auf Big Island erzählt. Zwei kurze Beispiele zur Verdeutlichung: Im Jahr 1996 reichte seine Zielzeit von 8:06h „nur“ für den Titel des Vice-Weltmeisters. Ein Jahr später pulverisierte er seine Konkurrenz mit einer vergleichbaren Leistung (sagt er) und feierte seinen Triumph mit 8:33h. Diese wahre Legende des Triathlons kennt aber auch die absolute Kehrseite des Ironmans in Kona, indem fünf von seinen beeindruckenden sechzehn Starts bei der WM bereits vor der Ziellinie für ihn endeten.

Was für ein Erlebnis für mich, diesem charismatischen Mann auf so eine offene und ausgesprochen freundliche Weise begegnen zu dürfen. Auch noch heute nach vielen Jahren hat mir der gute Mann, in einer schnelleren Schlange vor dem Check-in stehend, gute zwei Minuten abgenommen. Hell on Heels!

Viele Grüße aus meinem Umstieg in San Francisco ✋

(@Jan: vielen Dank für das Foto, Fensterplatz ist Fensterplatz:)

IHR habt das geschafft!

„and one more thing“ sagt immer mein beliebter Obsthersteller:

Dank Eurer Aufrufe dieser Homepage werden wie versprochen insgesamt 1000,- Euro gespendet! (siehe Blogbeitrag Spende)

Bildschirmfoto 2018-10-15 um 17.05.50

Ich sage DANKE (auf Hawaiianisch: MAHALO) und mache folgenden Vorschlag: Lass uns den Betrag noch erhöhen! (siehe Blogbeitrag „Versteigerung“)

Ausruhen und heim

Auf Regeneration nach einer körperlichen Belastung wird in Ausdauersportarten ein großer Wert gelegt. Man wird nicht besser bzw. schneller, stärker im Training, sondern in der Ruhephase danach. Konzepte und mehr oder weniger hilfreiche Produkte gibt es auf dem Markt jede Menge. Viele sind gut, aber nicht billig…


… deswegen setze ich zu Hause lieber auf Schlaf und …Placebo 🙂

Eine Bootstour am Tag nach dem Rennen mit Schnorcheln ist, denke ich, genau das richtige um das Gleichgewicht im Körper wieder herzustellen.

Und gleich geht´s los mit dem Bus zum Flughafen:

Vorschlag: lass uns in Konkakt bleiben! Ich werde für Euch nach meiner Rückkehr in Deutschland weitere Blogbeiträge über Hawaii, Ironman und die Welt schreiben, okay?

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